Treffen vom 02. Oktober

Am 02. Oktober diskutierten wir den ersten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Die Thesen 1 bis 4 fanden allgemeine Zustimmung und die drei Fragen des Zwischenfazits wurden kurz aber lebendig diskutiert.

Hier nur einige der vielen interessanten Ergebnisse der Diskussion:

  1. Betont wurde, dass die diskutierten Aussagen über Privateigentum und Geld für die heutige Marktwirtschaft (bzw. Kapitalismus/Warenproduktion) gelten. In manch füherer Zeit waren Handel und Geld weniger entwickelt und somit nicht der dominante Kern von Wirtschaft und Gesellschaft: Da gab es herrschaftliche oder gemeinschaftliche Verteilung von Naturalien, Subsistenzwirtschaft (Produktion für den Eigenverbrauch), Existenzsicherungen durch familiäre, religiöse oder traditionelle Versorgung bedürftiger Menschen oder auch einen Handel zu rechtlich strikt festgelegten Konditionen. Wenn Privateigentum und Geld damals existierten, dann schwach entwickelt, heißt: ohne viele ihrer heutigen Eigenschaften und ohne eine dominante Stellung in der Gesellschaft.
  2. Die heutige Armut ist kein technisch notwendiger Mangel. Sie ist der Ausschluss vom tatsächlich existierenden materiellen Reichtum oder wenigstens von den Mitteln zur Produktion dieses Reichtums.
  3. Die allgemeinste Definition für Kapital ist: Geld, das so eingesetzt wird, dass es sich vermehrt.
  4. In einer Planwirtschaft, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen soll, hat Geld nichts verloren: Es ist eben kein technisch-neutrales Mittel zum Wirtschaften (wie eine Fabrik, ein Pflug oder geistiges Know-How). Es ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das bereits seine eigene Zwecksetzung mitbringt: Geldvermehrung samt Exklusiveigentum, Konkurrenz und Armut. Geld misst nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern den Reichtum an privateigentümlicher Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  5. Lohnarbeit ist immer Ausbeutung, weil ein Arbeitsprozess, in dem Lohnabhängige: 1. eine Arbeit ausführen, deren Zweck sie nicht bestimmen, 2. dies unter Arbeitsbedingungen, die sie ebenfalls nicht bestimmen, 3. für eine Lohnzahlung, die nicht auf ihre Bedürfnisse berechnet ist und 4. nie aus der Lohnabhängigkeit herauskommen, während sie das Unternehmenseigentum (von dem sie ausgebeutet werden) beständig vermehren.
  6. Kapitalistischer Reichtum ist nicht falsch verteilt, er ist falsch. Kapitalistischer Reichtum besteht nicht in lauter nützlichen Sachen, sondern in Geld. Geld beziffert nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern privateigentümliche Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  7. Beim Wirtschaftswachstum geht es nicht darum, dass mehr nützliches Zeug produziert werden soll, sondern dass Geldvermehrung stattfindet. Ginge es um die Produktion von nützlichen Dingen, dann würde niemand „Wachstum!“ fordern, sondern Produktion von eben so viel, wie gebraucht wird und dann ist Feierabend. Aber die Produktion von nützlichen Dingen ist bloß ein Nebeneffekt des kapitalistischen Wachstums und wird im Bruttoinlandsprodukt nicht ausgedrückt.

2 Gedanken zu „Treffen vom 02. Oktober“

  1. Punkt 7.
    Ergänzend zur Kritik am sogenannten Wirtschaftswachstum -gemessen am BIP: Von Robert F. Kennedy ist der Satz überliefert: „Das Bruttoinlandsprodukt misst alles – außer dem, was das Leben lebenswert macht.“ Und noch bevor die Vereinten Nationen ihre Mitgliedstaaten verpflichtet hatten, das jeweilige BIP auszuweisen, hatte der an der Indexentwicklung maßgeblich beteiligte Ökonom Simon Kuznet schon gewarnt, man solle einen Anstieg des Wertes nicht mit einer Zunahme des allgemeinen Wohlstands verwechseln. Tatsächlich bildet das BIP vor allem Markttransaktionen ab – und ignoriert soziale Kosten, die Umweltfolgen oder Einkommensungleichheiten. [http://www.spektrum.de/news/tschuess-bruttoinlandsprodukt-zeit-fuer-was-neues/1220479]

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