Archiv der Kategorie: Entwicklungsländer

Treffen vom 22. Juli

Thema: Die Macht der Konsument*innen – Realität und Ideologie

Die Sommerpause ist vorbei. Am 22. Juli ging es weiter mit unserem Lese- und Diskussionskreis.

Wir hörten gemeinsam einen Vortrag (Audio-Datei) zum Thema „Konsum und Konsumkritik“ und diskutierten dazu.

Es ging um Fragen wie:

  • Ökologische Schäden: Wo enden die allgemeinen bzw. technischen und wo beginnen die kapitalistischen Grenzen nachhaltigen Konsums?
  • Woher kommt und wie weit reicht die Geld-Macht der Konsument*innen?
  • Welche Fehler und welche ideologischen Folgen hat die Bejahung von Fair Trade?

Der Vortrag, dessen Audio-Mitschnitt wir hörten, wurde im April von einem Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt gehalten. Wer schonmal reinhören will, findet ihn hier:

Von den tatsächlichen und eingeblideten Leistungen von Konsum und Konsumkritik

Hier noch ein Bisschen weiteres Text- und Audio-Material zum schmökern:

Treffen vom 18. Januar

Am 18. Januar übten wir uns in anti-rassistischer Argumentation und diskutierten die Themen Rassismus und Nationalismus. Manche Diskussionen entwickelten sich über diese Themen hinaus und verwandelten sich zur allgemeinen Debatte über Möglichkeiten und Bedingungen einer Gesellschaft ohne Ausbeutung.

Hier nur ein paar Ausschnitte aus einer interessanten Sitzung:

Nationalismus

  1. Was ist eigentlich Patriotismus/Nationalismus? Es ist die Ideologie einer völkischen Gemeinschaft, die ihren angemessenen Ausdruck im National-Staat finden würde. Sie verdreht den staatlich hergestellten Zwangszusammenhang zur Natur der dem Staat unterworfenen Menschen und die kapitalistischen Klassengegensätze zur gerechten Arbeitsteilung.
  2. Sollte sich jemand mit einer Nation identifizieren, nur weil er*sie eine Vorliebe für etwas kulturelles hat, das Patrioten für „deutsch“ erklären? Besser nicht! Denn Kultur und Landschaft machen oft nicht an Staatsgrenzen halt und aus der Vorliebe für eine bestimmte Landschaftsart ergibt sich überhaupt kein notwendiger Schluss auf Staat, national-kapitalistische Verfassung und völkische Ideologie.
  3. Kurze Texte zur Vertiefung: Die Nation: Ideologie als materielle Gewalt und permanente Mobilmachung. Ebenso: Nation und Nationalismus

Kolonialistische Weltbilder am Beispiel ‚Afrika‘

  1. „Afrika“ bedeutet für viele: „Dieses Land, in dem alle ’schwarz‘, ungebildet und Arm sind.“ Solche rassistischen Vorstellungen müssen aufgebrochen werden!
  2. Armut kommt nicht daher, dass jemand ‚ungebildet‘ wäre – Armut ist der Ausschluss vom tatsächlich vorhandenen Reichtum per Privateigentum und Nationalstaat.
  3. ‚Schwarz‘ ist eine rassistische Kategorie, weil Menschen nach angeblichen* Hautfarben eingeordnet werden, um angebliche ‚rassische‘ beziehungsweise ‚ethnische‘ Wesensarten festzustellen. ( * ‚angebliche Hautfarben‘ soll heißen: ‚Schwarz und Weiß‘ sind vollständig rassistische Ideen. Die tatsächlichen Melanin-Konzentrationen in der Haut geben so eine binäre Klassifizierung gar nicht her.)
  4. Afrika ist ein Kontinent mit mindestens 4 verschiedenen Klimazonen, über 50 hochgradig unterschiedlichen Staaten, ungefähr 1.500 Sprachen und einer Vielzahl von Religionen und Sozialstrukturen.

Weitere Themen

  1. Fremdheit und Sicherheit: Nationalismus verkauft sich als ideelles Angebot an kapitalistisch verursachte Existenzunsicherheit. Die ‚Angst vor Fremden‘ setzt viel natioanlistische Ideologie voraus.
  2. Die Vorfälle in Köln: Die Verallgemeinerung des Tatbestands auf alle Geflüchteten ist rassistisch. Vergewaltigungen sind kein Ergebnis von Alkohol oder Herkunft, sondern das Ergebnis von Sexismus und Patriarchat, wie sie in Deutschland Alltag sind. Den Inhalt staatlichen Strafens von der Herkunft abhängig zu machen, ist eine rassistische Sortierung von Menschen. Staatliches Strafen ist etwas ganz anderes, als das Bekämpfen von Sexismus und Patriarchat.
  3. Ausbeutung, Kommunismus und die Möglichkeiten des Menschen: Eine Gesellschaft von Ausbeutung und Herrschaft ist weniger das Produkt aller Mitglieder dieser Gesellschaft, als das Produkt der herrschenden und der ausbeutenden Klassen, Stände, Kasten einer Gesellschaft. Doch dazu in Zukunft mehr.

Treffen vom 11. Januar

Am 11. Januar diskutierten wir an unserem überarbeitetem und fertiggestelltem Thesenpapier Handel internationaler Handel TTIP v4. Wir besprachen die Thesen 12 bis 16.

Dabei kamen wir auf viele interessante Themen zu sprechen, von denen Ihr hier eine Auswahl findet:

  1. Der globale Süden hatte doch vor Jahrhunderten so viele Edelmetalle. Warum entstand der Kapitalismus nicht zuerst dort? Naja, einerseits sind Edelmetalle nur Kapital, wenn sie als Geld anerkannt sind und zum Zweck seiner eigenen Vermehrung eingesetzt werden. Andererseits wurden sie Kapital, aber nicht in Indien oder Mesoamerika, sondern in den kolonialistischen Ländern, die diese Edelmetalle gewaltsam aneigneten.
  2. Wie steht es eigentlich um Fair Trade und soziale Reformen der Marktwirtschaft? Ökonomisch taugen sie nicht viel, aber immerhin ein Bisschen. Und politisch? Schaffen sie nur falsche Ideologien über den Kapitalismus oder kann daran anti-kapitalistisch angeknüpft werden?
  3. Wenn kapitalistische Konkurrenz zumeist bedeutet: Löhne runter! …wird das dann durch die sinkenden Preise ausgeglichen? Oder ist es nicht gerade so, dass sinkende Preise tendentiell nicht ohne sinkende Löhne zu haben sind?
  4. Wie ist es bei den TTIP-Verhandlungen um die Machtfrage zwischen den Staaten bestellt? Worin bestehen die Druckmittel? Verweigerung des Zugangs zum eigenen Markt, ökonomische Kapitalbilanzen des eigenen Standorts, politisches und ökonomisches Angewiesensein auf das Abkommen, …
  5. Wie war das noch gleich mit der Währung? Warum ist jede Frage einer gemeinsamen Währung eine Machtfrage? Und worin besteht eigentlich der Nutzen der Eurozone für Staat und Kapital? Dazu hier zwei Textvorschläge: Was soll die Europäische Union? und Staatsverschuldung und die Krise im Euroraum

 

Treffen vom 23. November

Am 23. November diskutierten wir zwei verschiedene Themenbereiche.

Zuerst debattierten wir zum Thema Staatstheorie. Die Diskussionen drehten sich u.a. um:

  1. Analyse und Kritik des bürgerlichen Schulwesens – Handelt es sich dabei um einen (humanistischen) Bildungsanspruch, der nur konsequenter bzw. besser umgesetzt werden muss? Oder liegt eher ein selektives (Noten!) Ausbildungssystem vor, das zukünftige Arbeiter*innen und untere Kapitalfunktionär*innen für Staat und Standort herrichtet? Es fielen weiterhin Begriffe und Namen wie: Einheitsschule, Aufklärung, Antonio Gramsci und Ökonomisierung der Wissenschaft. Wir überlegen, uns in Zukunft einmal ausführlich mit dem Thema „Schule im Kapitalismus“ auseinanderzusetzen.
  2. Der bürgerliche Staat als Klassenstaat – Inwiefern ist der bürgerliche Staat ein Klassenstaat? Ist er ein „Instrument der Kapitalist*innen“ oder ein Garant der „Freiheit und Gleichheit der Privateigentümer*innen“? In Bezug auf die ökonomischen Ungleichheiten der Mitglieder einer Klassengesellschaft fiel der Satz: Der Staat „erzeugt durch abstrakte Gleichheit konkrete Ungleichheit.“ (Aus: Der bürgerliche Staat – Eine Einführung) Weiterhin diskutierten wir die alte Formel des Staates als „ideellem Gesamtkapitalisten“ (F. Engels) und wie, wann und warum es dazu kommt, dass sich die Interessen von Staat und (Einzel-)Kapital decken.

Danach diskutierten wir die Thesen 5 bis 10 aus dem zweiten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Dabei kam u.a. folgendes zur Sprache:

  1. Die Strukturanpassungsprogramme der 1980er Jahre.
  2. Die Ökonomie des modernen Kredit-Geldes ist ziemlich komplex und verdient eine eigene Sitzung.
  3. Der sogenannte „Brain Drain“: Fachkräftemigration und die Einsparung von Ausbildungskosten durch das Zielland.