Archiv der Kategorie: Lohnarbeit und Klassen

Nächstes Treffen (16.09.2016)

Nächster Termin: 16. September (Freitag), 18:00 Uhr, Schinkelstr. 13, Neuruppin. (Geschäftsstelle der LINKEN)

Thema: Ich bin so frei …gegen Lohn zu arbeiten

„Meine Freiheit heißt, dass ich Geschäfte machen kann,                              Und Deine Freiheit heißt, Du kriegst bei mir nen Posten.                             Und da Du meine Waren kaufen musst, stell‘ ich Dich bei mir an,                so verursacht Deine Freiheit keine Kosten!“                                                          (Georg Kreisler, Meine Freiheit Deine Freiheit)

Bei unserem nächsten Treffen beschäftigen wir uns mit der Lohnarbeit. Im Besonderen geht es darum, wie Freiheit und Ausbeutung im Kapitalismus zusammengehören. Aber auch andere Themen zur Lohnarbeit werden behandelt:

  • Der Lohn: Seine Quelle, seine Formen und falsche Ideologien über ihn
  • Lohnarbeit und Technik: Von der Konkurrenz gegen Maschinen zum Anhängsel der Maschinen
  • Arbeitsplätze: Wem sie nützen und warum sie wem stets zu teuer sind

Wir werden dazu gemeinsam einen Text diskutieren. Wer will, kann schonmal zu Hause lesen:  Die Misere hat System – Kapitalismus, Seite 73 und die darauf folgenden Seiten

 

Wer noch mehr Stoff zum Thema Lohnarbeit möchte, findet hier Material zum Schmökern:

Zwei kurze Texte, wieso bürgerliche Freiheit für viele in Lohnabhängigkeit endet: Freiheit und Gleichheit, Recht und Klassen

Was der alte Marx zum Thema geschrieben hat: Lohnarbeit

Ein Vortrag zu den Einkommen in der bürgerlichen Gesellschaft: Gehalt/Einkommen – Margaret Wirth – 2015

Treffen vom 01. September

Am ersten September gab es einen spontanen Themenwechsel.

Wir schoben das Thema Lohnarbeit auf und besprachen statt dessen das Thema Klassengesellschaft.

Wir diskutierten folgendes:

  • Der Begriff der Klasse hat keine Ähnlichkeit zu Begriffen wie Schicht oder Milieu. Bei Klasse geht es nicht um die Beschreibung politischer und kultureller Einstellungen oder um die Schichtung von verschieden hohen Einkommen. Es geht bei Klasse um die Erklärung der Rolle im gesellschaftlichen Produktionsprozess.
  • Die Ideologie der Leistungesgesllschaft ist eine falsche Erklärung der kapitalistischen Produktionsweise und ein bedürfnisfeindliches und fachlich unsinniges Ideal.
  • Einkommen sind im Kapitalismus abhängig von der Qualität des eigenen Privateigentums. Im Endeffekt sind alle Einkommensarten vom Funktionieren des großen Kapitalwachstums abhängig.

Mehr zum Thema Klasse und Einkommen:

Ein Vortrag zum Thema Eigentum, Klassen und Einkommen: Wer verdient warum wie viel? Über die Einkommen in der bürgerlichen Gesellschaft und ihre Quellen.

Was Marx zum Thema Klassen geschrieben hat: Arbeiter*innen-Klasse und Kapitalist*innen-Klasse

Ein Text darüber, weshalb es Klassen noch gibt bzw. was an den gängigen Gegenargumenten falsch ist: Die Misere hat System: Kapitalismus, Kapitel 8, Einfach Klasse? Warum’s die Arbeiterklasse noch gibt, auch wenn niemand über sie reden will

Treffen vom 22. Juli

Thema: Die Macht der Konsument*innen – Realität und Ideologie

Die Sommerpause ist vorbei. Am 22. Juli ging es weiter mit unserem Lese- und Diskussionskreis.

Wir hörten gemeinsam einen Vortrag (Audio-Datei) zum Thema „Konsum und Konsumkritik“ und diskutierten dazu.

Es ging um Fragen wie:

  • Ökologische Schäden: Wo enden die allgemeinen bzw. technischen und wo beginnen die kapitalistischen Grenzen nachhaltigen Konsums?
  • Woher kommt und wie weit reicht die Geld-Macht der Konsument*innen?
  • Welche Fehler und welche ideologischen Folgen hat die Bejahung von Fair Trade?

Der Vortrag, dessen Audio-Mitschnitt wir hörten, wurde im April von einem Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt gehalten. Wer schonmal reinhören will, findet ihn hier:

Von den tatsächlichen und eingeblideten Leistungen von Konsum und Konsumkritik

Hier noch ein Bisschen weiteres Text- und Audio-Material zum schmökern:

Treffen vom 29. Februar

Am 29. Februar gingen wir Antwort für Antwort das Interview mit einem Arbeiter von Zanon, der „Fabrik ohne Bosse“, durch: „Wenn wir eine Fabrik leiteten können, können wir auch ein Land leiten.“

Wir besprachen Inhalt, Bedeutung und Möglichkeiten der Verallgemeinerung des Kampfes der Beschäftigten dieser Keramikfabrik:

  1. In Zanon haben nicht nur die fest angestellten Arbeiter*innen gemeinsam mit den Leiharbeiter*innen gekämpft. Auch haben sie eine Solidaritätskommission gegründet, um ihre Kämpfe mit anderen Protesten von Lohnabhängigen zusammenzuführen. Die Verbindung von Kämpfen und die gemeinsame Aktion aller Lohnabhängigen war nicht nur für Zanon wichtig, sie ist und bleibt überall von unbedingter Relevanz.
  2. Der Kampf um Zanon war auch ein Beispiel für den Interessengegensatz zwischen heutigen Gewerkschaftsführungen und der Gewerkschaftsbasis. Wir diskutierten, über Art und Ursachen dieses Gegensatzes sowie um den Umgang damit.
  3. Schließlich ging es auch darum, dass Zanon sowohl die Möglichkeiten einer linken Genossenschaft als Stärkung linker Strukturen unabhängig von Staat und Kapital aufzeigt, als auch ihre Grenzen.

Treffen vom 2. Februar

Am 2. Februar besprachen wir die abschließenden Thesen unseres Thesenpapiers zu Kapitalismus, internationalem Handel und TTIP. Heißt: Thesen 17 bis 21 samt Schluss- und Bonusteil.

Hier nur einige der vielen Interessanten Diskussionspunkte:

  1. (These 17) Die Ausweitung der ökonomischen Macht von Kapital und Standort kennt keine geographischen, sondern gesellschaftliche Grenzziehungen. Es geht dabei um die Ausdehnung der Sektoren warenförmiger Produktion unter Einfluss des Standort-Kapitals. Dies liegt genauso bei Erschließung neuer Staatsgebiete fürs Kapital vor, wie bei Ausdehnung der warenförmigen Produktionsweise in bereits eroberten Gesellschaften. Schlagwörter sind: Privatisierung, ursprüngliche Akkumulation = Enteignung von Subsistenzmitteln der Bevölkerung.
  2. (These 19) In der globalen ökonomischen Konkurrenz sind Vorhersagen über das zu erwartende Konkurrenzergebnisses entweder grob und unzuverlässig oder gänzlich unmöglich. Zum einen gibt es Effekte der ’sich selbst erfüllenden Prohezeiung‘. Zum anderen gibt es in einer Konkurrenz-Ökonomie keine Strategie des sicheren Erfolgs sobald alle oder die meisten Konkurrenz-Teilnehmer*innen davon wissen. Dann wird die jeweilige ökonomische Wunderstrategie lediglich zum neuen Konkurrenzstandard.
  3. (These 21) Jetzt zum Schluss nochmal die bedeutende Einsicht vom Anfang des Thesenpapiers. Kapitalismus ist eine Veranstaltung des Staates, weil kein Privateigentum ohne politische Gewalt existiert. Das Kapital steht nicht über dem Staat. Lässt sich ein Staat scheinbar von Kapitalbesitzenden erpressen, dann steht in Wahrheit ein anderer Staat hinter den Ansprüchen des fordernden Kapitals.

Treffen vom 18. Januar

Am 18. Januar übten wir uns in anti-rassistischer Argumentation und diskutierten die Themen Rassismus und Nationalismus. Manche Diskussionen entwickelten sich über diese Themen hinaus und verwandelten sich zur allgemeinen Debatte über Möglichkeiten und Bedingungen einer Gesellschaft ohne Ausbeutung.

Hier nur ein paar Ausschnitte aus einer interessanten Sitzung:

Nationalismus

  1. Was ist eigentlich Patriotismus/Nationalismus? Es ist die Ideologie einer völkischen Gemeinschaft, die ihren angemessenen Ausdruck im National-Staat finden würde. Sie verdreht den staatlich hergestellten Zwangszusammenhang zur Natur der dem Staat unterworfenen Menschen und die kapitalistischen Klassengegensätze zur gerechten Arbeitsteilung.
  2. Sollte sich jemand mit einer Nation identifizieren, nur weil er*sie eine Vorliebe für etwas kulturelles hat, das Patrioten für „deutsch“ erklären? Besser nicht! Denn Kultur und Landschaft machen oft nicht an Staatsgrenzen halt und aus der Vorliebe für eine bestimmte Landschaftsart ergibt sich überhaupt kein notwendiger Schluss auf Staat, national-kapitalistische Verfassung und völkische Ideologie.
  3. Kurze Texte zur Vertiefung: Die Nation: Ideologie als materielle Gewalt und permanente Mobilmachung. Ebenso: Nation und Nationalismus

Kolonialistische Weltbilder am Beispiel ‚Afrika‘

  1. „Afrika“ bedeutet für viele: „Dieses Land, in dem alle ’schwarz‘, ungebildet und Arm sind.“ Solche rassistischen Vorstellungen müssen aufgebrochen werden!
  2. Armut kommt nicht daher, dass jemand ‚ungebildet‘ wäre – Armut ist der Ausschluss vom tatsächlich vorhandenen Reichtum per Privateigentum und Nationalstaat.
  3. ‚Schwarz‘ ist eine rassistische Kategorie, weil Menschen nach angeblichen* Hautfarben eingeordnet werden, um angebliche ‚rassische‘ beziehungsweise ‚ethnische‘ Wesensarten festzustellen. ( * ‚angebliche Hautfarben‘ soll heißen: ‚Schwarz und Weiß‘ sind vollständig rassistische Ideen. Die tatsächlichen Melanin-Konzentrationen in der Haut geben so eine binäre Klassifizierung gar nicht her.)
  4. Afrika ist ein Kontinent mit mindestens 4 verschiedenen Klimazonen, über 50 hochgradig unterschiedlichen Staaten, ungefähr 1.500 Sprachen und einer Vielzahl von Religionen und Sozialstrukturen.

Weitere Themen

  1. Fremdheit und Sicherheit: Nationalismus verkauft sich als ideelles Angebot an kapitalistisch verursachte Existenzunsicherheit. Die ‚Angst vor Fremden‘ setzt viel natioanlistische Ideologie voraus.
  2. Die Vorfälle in Köln: Die Verallgemeinerung des Tatbestands auf alle Geflüchteten ist rassistisch. Vergewaltigungen sind kein Ergebnis von Alkohol oder Herkunft, sondern das Ergebnis von Sexismus und Patriarchat, wie sie in Deutschland Alltag sind. Den Inhalt staatlichen Strafens von der Herkunft abhängig zu machen, ist eine rassistische Sortierung von Menschen. Staatliches Strafen ist etwas ganz anderes, als das Bekämpfen von Sexismus und Patriarchat.
  3. Ausbeutung, Kommunismus und die Möglichkeiten des Menschen: Eine Gesellschaft von Ausbeutung und Herrschaft ist weniger das Produkt aller Mitglieder dieser Gesellschaft, als das Produkt der herrschenden und der ausbeutenden Klassen, Stände, Kasten einer Gesellschaft. Doch dazu in Zukunft mehr.

Treffen vom 23. November

Am 23. November diskutierten wir zwei verschiedene Themenbereiche.

Zuerst debattierten wir zum Thema Staatstheorie. Die Diskussionen drehten sich u.a. um:

  1. Analyse und Kritik des bürgerlichen Schulwesens – Handelt es sich dabei um einen (humanistischen) Bildungsanspruch, der nur konsequenter bzw. besser umgesetzt werden muss? Oder liegt eher ein selektives (Noten!) Ausbildungssystem vor, das zukünftige Arbeiter*innen und untere Kapitalfunktionär*innen für Staat und Standort herrichtet? Es fielen weiterhin Begriffe und Namen wie: Einheitsschule, Aufklärung, Antonio Gramsci und Ökonomisierung der Wissenschaft. Wir überlegen, uns in Zukunft einmal ausführlich mit dem Thema „Schule im Kapitalismus“ auseinanderzusetzen.
  2. Der bürgerliche Staat als Klassenstaat – Inwiefern ist der bürgerliche Staat ein Klassenstaat? Ist er ein „Instrument der Kapitalist*innen“ oder ein Garant der „Freiheit und Gleichheit der Privateigentümer*innen“? In Bezug auf die ökonomischen Ungleichheiten der Mitglieder einer Klassengesellschaft fiel der Satz: Der Staat „erzeugt durch abstrakte Gleichheit konkrete Ungleichheit.“ (Aus: Der bürgerliche Staat – Eine Einführung) Weiterhin diskutierten wir die alte Formel des Staates als „ideellem Gesamtkapitalisten“ (F. Engels) und wie, wann und warum es dazu kommt, dass sich die Interessen von Staat und (Einzel-)Kapital decken.

Danach diskutierten wir die Thesen 5 bis 10 aus dem zweiten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Dabei kam u.a. folgendes zur Sprache:

  1. Die Strukturanpassungsprogramme der 1980er Jahre.
  2. Die Ökonomie des modernen Kredit-Geldes ist ziemlich komplex und verdient eine eigene Sitzung.
  3. Der sogenannte „Brain Drain“: Fachkräftemigration und die Einsparung von Ausbildungskosten durch das Zielland.

Treffen vom 02. Oktober

Am 02. Oktober diskutierten wir den ersten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Die Thesen 1 bis 4 fanden allgemeine Zustimmung und die drei Fragen des Zwischenfazits wurden kurz aber lebendig diskutiert.

Hier nur einige der vielen interessanten Ergebnisse der Diskussion:

  1. Betont wurde, dass die diskutierten Aussagen über Privateigentum und Geld für die heutige Marktwirtschaft (bzw. Kapitalismus/Warenproduktion) gelten. In manch füherer Zeit waren Handel und Geld weniger entwickelt und somit nicht der dominante Kern von Wirtschaft und Gesellschaft: Da gab es herrschaftliche oder gemeinschaftliche Verteilung von Naturalien, Subsistenzwirtschaft (Produktion für den Eigenverbrauch), Existenzsicherungen durch familiäre, religiöse oder traditionelle Versorgung bedürftiger Menschen oder auch einen Handel zu rechtlich strikt festgelegten Konditionen. Wenn Privateigentum und Geld damals existierten, dann schwach entwickelt, heißt: ohne viele ihrer heutigen Eigenschaften und ohne eine dominante Stellung in der Gesellschaft.
  2. Die heutige Armut ist kein technisch notwendiger Mangel. Sie ist der Ausschluss vom tatsächlich existierenden materiellen Reichtum oder wenigstens von den Mitteln zur Produktion dieses Reichtums.
  3. Die allgemeinste Definition für Kapital ist: Geld, das so eingesetzt wird, dass es sich vermehrt.
  4. In einer Planwirtschaft, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen soll, hat Geld nichts verloren: Es ist eben kein technisch-neutrales Mittel zum Wirtschaften (wie eine Fabrik, ein Pflug oder geistiges Know-How). Es ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das bereits seine eigene Zwecksetzung mitbringt: Geldvermehrung samt Exklusiveigentum, Konkurrenz und Armut. Geld misst nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern den Reichtum an privateigentümlicher Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  5. Lohnarbeit ist immer Ausbeutung, weil ein Arbeitsprozess, in dem Lohnabhängige: 1. eine Arbeit ausführen, deren Zweck sie nicht bestimmen, 2. dies unter Arbeitsbedingungen, die sie ebenfalls nicht bestimmen, 3. für eine Lohnzahlung, die nicht auf ihre Bedürfnisse berechnet ist und 4. nie aus der Lohnabhängigkeit herauskommen, während sie das Unternehmenseigentum (von dem sie ausgebeutet werden) beständig vermehren.
  6. Kapitalistischer Reichtum ist nicht falsch verteilt, er ist falsch. Kapitalistischer Reichtum besteht nicht in lauter nützlichen Sachen, sondern in Geld. Geld beziffert nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern privateigentümliche Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  7. Beim Wirtschaftswachstum geht es nicht darum, dass mehr nützliches Zeug produziert werden soll, sondern dass Geldvermehrung stattfindet. Ginge es um die Produktion von nützlichen Dingen, dann würde niemand „Wachstum!“ fordern, sondern Produktion von eben so viel, wie gebraucht wird und dann ist Feierabend. Aber die Produktion von nützlichen Dingen ist bloß ein Nebeneffekt des kapitalistischen Wachstums und wird im Bruttoinlandsprodukt nicht ausgedrückt.