Archiv der Kategorie: Weltmarkt

Treffen vom 2. Februar

Am 2. Februar besprachen wir die abschließenden Thesen unseres Thesenpapiers zu Kapitalismus, internationalem Handel und TTIP. Heißt: Thesen 17 bis 21 samt Schluss- und Bonusteil.

Hier nur einige der vielen Interessanten Diskussionspunkte:

  1. (These 17) Die Ausweitung der ökonomischen Macht von Kapital und Standort kennt keine geographischen, sondern gesellschaftliche Grenzziehungen. Es geht dabei um die Ausdehnung der Sektoren warenförmiger Produktion unter Einfluss des Standort-Kapitals. Dies liegt genauso bei Erschließung neuer Staatsgebiete fürs Kapital vor, wie bei Ausdehnung der warenförmigen Produktionsweise in bereits eroberten Gesellschaften. Schlagwörter sind: Privatisierung, ursprüngliche Akkumulation = Enteignung von Subsistenzmitteln der Bevölkerung.
  2. (These 19) In der globalen ökonomischen Konkurrenz sind Vorhersagen über das zu erwartende Konkurrenzergebnisses entweder grob und unzuverlässig oder gänzlich unmöglich. Zum einen gibt es Effekte der ’sich selbst erfüllenden Prohezeiung‘. Zum anderen gibt es in einer Konkurrenz-Ökonomie keine Strategie des sicheren Erfolgs sobald alle oder die meisten Konkurrenz-Teilnehmer*innen davon wissen. Dann wird die jeweilige ökonomische Wunderstrategie lediglich zum neuen Konkurrenzstandard.
  3. (These 21) Jetzt zum Schluss nochmal die bedeutende Einsicht vom Anfang des Thesenpapiers. Kapitalismus ist eine Veranstaltung des Staates, weil kein Privateigentum ohne politische Gewalt existiert. Das Kapital steht nicht über dem Staat. Lässt sich ein Staat scheinbar von Kapitalbesitzenden erpressen, dann steht in Wahrheit ein anderer Staat hinter den Ansprüchen des fordernden Kapitals.

Treffen vom 11. Januar

Am 11. Januar diskutierten wir an unserem überarbeitetem und fertiggestelltem Thesenpapier Handel internationaler Handel TTIP v4. Wir besprachen die Thesen 12 bis 16.

Dabei kamen wir auf viele interessante Themen zu sprechen, von denen Ihr hier eine Auswahl findet:

  1. Der globale Süden hatte doch vor Jahrhunderten so viele Edelmetalle. Warum entstand der Kapitalismus nicht zuerst dort? Naja, einerseits sind Edelmetalle nur Kapital, wenn sie als Geld anerkannt sind und zum Zweck seiner eigenen Vermehrung eingesetzt werden. Andererseits wurden sie Kapital, aber nicht in Indien oder Mesoamerika, sondern in den kolonialistischen Ländern, die diese Edelmetalle gewaltsam aneigneten.
  2. Wie steht es eigentlich um Fair Trade und soziale Reformen der Marktwirtschaft? Ökonomisch taugen sie nicht viel, aber immerhin ein Bisschen. Und politisch? Schaffen sie nur falsche Ideologien über den Kapitalismus oder kann daran anti-kapitalistisch angeknüpft werden?
  3. Wenn kapitalistische Konkurrenz zumeist bedeutet: Löhne runter! …wird das dann durch die sinkenden Preise ausgeglichen? Oder ist es nicht gerade so, dass sinkende Preise tendentiell nicht ohne sinkende Löhne zu haben sind?
  4. Wie ist es bei den TTIP-Verhandlungen um die Machtfrage zwischen den Staaten bestellt? Worin bestehen die Druckmittel? Verweigerung des Zugangs zum eigenen Markt, ökonomische Kapitalbilanzen des eigenen Standorts, politisches und ökonomisches Angewiesensein auf das Abkommen, …
  5. Wie war das noch gleich mit der Währung? Warum ist jede Frage einer gemeinsamen Währung eine Machtfrage? Und worin besteht eigentlich der Nutzen der Eurozone für Staat und Kapital? Dazu hier zwei Textvorschläge: Was soll die Europäische Union? und Staatsverschuldung und die Krise im Euroraum

 

Treffen vom 23. November

Am 23. November diskutierten wir zwei verschiedene Themenbereiche.

Zuerst debattierten wir zum Thema Staatstheorie. Die Diskussionen drehten sich u.a. um:

  1. Analyse und Kritik des bürgerlichen Schulwesens – Handelt es sich dabei um einen (humanistischen) Bildungsanspruch, der nur konsequenter bzw. besser umgesetzt werden muss? Oder liegt eher ein selektives (Noten!) Ausbildungssystem vor, das zukünftige Arbeiter*innen und untere Kapitalfunktionär*innen für Staat und Standort herrichtet? Es fielen weiterhin Begriffe und Namen wie: Einheitsschule, Aufklärung, Antonio Gramsci und Ökonomisierung der Wissenschaft. Wir überlegen, uns in Zukunft einmal ausführlich mit dem Thema „Schule im Kapitalismus“ auseinanderzusetzen.
  2. Der bürgerliche Staat als Klassenstaat – Inwiefern ist der bürgerliche Staat ein Klassenstaat? Ist er ein „Instrument der Kapitalist*innen“ oder ein Garant der „Freiheit und Gleichheit der Privateigentümer*innen“? In Bezug auf die ökonomischen Ungleichheiten der Mitglieder einer Klassengesellschaft fiel der Satz: Der Staat „erzeugt durch abstrakte Gleichheit konkrete Ungleichheit.“ (Aus: Der bürgerliche Staat – Eine Einführung) Weiterhin diskutierten wir die alte Formel des Staates als „ideellem Gesamtkapitalisten“ (F. Engels) und wie, wann und warum es dazu kommt, dass sich die Interessen von Staat und (Einzel-)Kapital decken.

Danach diskutierten wir die Thesen 5 bis 10 aus dem zweiten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Dabei kam u.a. folgendes zur Sprache:

  1. Die Strukturanpassungsprogramme der 1980er Jahre.
  2. Die Ökonomie des modernen Kredit-Geldes ist ziemlich komplex und verdient eine eigene Sitzung.
  3. Der sogenannte „Brain Drain“: Fachkräftemigration und die Einsparung von Ausbildungskosten durch das Zielland.