Archiv der Kategorie: Handel

Treffen vom 22. Juli

Thema: Die Macht der Konsument*innen – Realität und Ideologie

Die Sommerpause ist vorbei. Am 22. Juli ging es weiter mit unserem Lese- und Diskussionskreis.

Wir hörten gemeinsam einen Vortrag (Audio-Datei) zum Thema „Konsum und Konsumkritik“ und diskutierten dazu.

Es ging um Fragen wie:

  • Ökologische Schäden: Wo enden die allgemeinen bzw. technischen und wo beginnen die kapitalistischen Grenzen nachhaltigen Konsums?
  • Woher kommt und wie weit reicht die Geld-Macht der Konsument*innen?
  • Welche Fehler und welche ideologischen Folgen hat die Bejahung von Fair Trade?

Der Vortrag, dessen Audio-Mitschnitt wir hörten, wurde im April von einem Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt gehalten. Wer schonmal reinhören will, findet ihn hier:

Von den tatsächlichen und eingeblideten Leistungen von Konsum und Konsumkritik

Hier noch ein Bisschen weiteres Text- und Audio-Material zum schmökern:

Treffen vom 2. Februar

Am 2. Februar besprachen wir die abschließenden Thesen unseres Thesenpapiers zu Kapitalismus, internationalem Handel und TTIP. Heißt: Thesen 17 bis 21 samt Schluss- und Bonusteil.

Hier nur einige der vielen Interessanten Diskussionspunkte:

  1. (These 17) Die Ausweitung der ökonomischen Macht von Kapital und Standort kennt keine geographischen, sondern gesellschaftliche Grenzziehungen. Es geht dabei um die Ausdehnung der Sektoren warenförmiger Produktion unter Einfluss des Standort-Kapitals. Dies liegt genauso bei Erschließung neuer Staatsgebiete fürs Kapital vor, wie bei Ausdehnung der warenförmigen Produktionsweise in bereits eroberten Gesellschaften. Schlagwörter sind: Privatisierung, ursprüngliche Akkumulation = Enteignung von Subsistenzmitteln der Bevölkerung.
  2. (These 19) In der globalen ökonomischen Konkurrenz sind Vorhersagen über das zu erwartende Konkurrenzergebnisses entweder grob und unzuverlässig oder gänzlich unmöglich. Zum einen gibt es Effekte der ’sich selbst erfüllenden Prohezeiung‘. Zum anderen gibt es in einer Konkurrenz-Ökonomie keine Strategie des sicheren Erfolgs sobald alle oder die meisten Konkurrenz-Teilnehmer*innen davon wissen. Dann wird die jeweilige ökonomische Wunderstrategie lediglich zum neuen Konkurrenzstandard.
  3. (These 21) Jetzt zum Schluss nochmal die bedeutende Einsicht vom Anfang des Thesenpapiers. Kapitalismus ist eine Veranstaltung des Staates, weil kein Privateigentum ohne politische Gewalt existiert. Das Kapital steht nicht über dem Staat. Lässt sich ein Staat scheinbar von Kapitalbesitzenden erpressen, dann steht in Wahrheit ein anderer Staat hinter den Ansprüchen des fordernden Kapitals.

Treffen vom 11. Januar

Am 11. Januar diskutierten wir an unserem überarbeitetem und fertiggestelltem Thesenpapier Handel internationaler Handel TTIP v4. Wir besprachen die Thesen 12 bis 16.

Dabei kamen wir auf viele interessante Themen zu sprechen, von denen Ihr hier eine Auswahl findet:

  1. Der globale Süden hatte doch vor Jahrhunderten so viele Edelmetalle. Warum entstand der Kapitalismus nicht zuerst dort? Naja, einerseits sind Edelmetalle nur Kapital, wenn sie als Geld anerkannt sind und zum Zweck seiner eigenen Vermehrung eingesetzt werden. Andererseits wurden sie Kapital, aber nicht in Indien oder Mesoamerika, sondern in den kolonialistischen Ländern, die diese Edelmetalle gewaltsam aneigneten.
  2. Wie steht es eigentlich um Fair Trade und soziale Reformen der Marktwirtschaft? Ökonomisch taugen sie nicht viel, aber immerhin ein Bisschen. Und politisch? Schaffen sie nur falsche Ideologien über den Kapitalismus oder kann daran anti-kapitalistisch angeknüpft werden?
  3. Wenn kapitalistische Konkurrenz zumeist bedeutet: Löhne runter! …wird das dann durch die sinkenden Preise ausgeglichen? Oder ist es nicht gerade so, dass sinkende Preise tendentiell nicht ohne sinkende Löhne zu haben sind?
  4. Wie ist es bei den TTIP-Verhandlungen um die Machtfrage zwischen den Staaten bestellt? Worin bestehen die Druckmittel? Verweigerung des Zugangs zum eigenen Markt, ökonomische Kapitalbilanzen des eigenen Standorts, politisches und ökonomisches Angewiesensein auf das Abkommen, …
  5. Wie war das noch gleich mit der Währung? Warum ist jede Frage einer gemeinsamen Währung eine Machtfrage? Und worin besteht eigentlich der Nutzen der Eurozone für Staat und Kapital? Dazu hier zwei Textvorschläge: Was soll die Europäische Union? und Staatsverschuldung und die Krise im Euroraum

 

Treffen vom 23. November

Am 23. November diskutierten wir zwei verschiedene Themenbereiche.

Zuerst debattierten wir zum Thema Staatstheorie. Die Diskussionen drehten sich u.a. um:

  1. Analyse und Kritik des bürgerlichen Schulwesens – Handelt es sich dabei um einen (humanistischen) Bildungsanspruch, der nur konsequenter bzw. besser umgesetzt werden muss? Oder liegt eher ein selektives (Noten!) Ausbildungssystem vor, das zukünftige Arbeiter*innen und untere Kapitalfunktionär*innen für Staat und Standort herrichtet? Es fielen weiterhin Begriffe und Namen wie: Einheitsschule, Aufklärung, Antonio Gramsci und Ökonomisierung der Wissenschaft. Wir überlegen, uns in Zukunft einmal ausführlich mit dem Thema „Schule im Kapitalismus“ auseinanderzusetzen.
  2. Der bürgerliche Staat als Klassenstaat – Inwiefern ist der bürgerliche Staat ein Klassenstaat? Ist er ein „Instrument der Kapitalist*innen“ oder ein Garant der „Freiheit und Gleichheit der Privateigentümer*innen“? In Bezug auf die ökonomischen Ungleichheiten der Mitglieder einer Klassengesellschaft fiel der Satz: Der Staat „erzeugt durch abstrakte Gleichheit konkrete Ungleichheit.“ (Aus: Der bürgerliche Staat – Eine Einführung) Weiterhin diskutierten wir die alte Formel des Staates als „ideellem Gesamtkapitalisten“ (F. Engels) und wie, wann und warum es dazu kommt, dass sich die Interessen von Staat und (Einzel-)Kapital decken.

Danach diskutierten wir die Thesen 5 bis 10 aus dem zweiten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Dabei kam u.a. folgendes zur Sprache:

  1. Die Strukturanpassungsprogramme der 1980er Jahre.
  2. Die Ökonomie des modernen Kredit-Geldes ist ziemlich komplex und verdient eine eigene Sitzung.
  3. Der sogenannte „Brain Drain“: Fachkräftemigration und die Einsparung von Ausbildungskosten durch das Zielland.

Treffen vom 29. Oktober

Am 29. Oktober diskutierten wir einige Thesen aus dem zweiten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Hier findet Ihr einige der vielen interessanten Inhalte unserer Diskussion:

  1. Die Schiedsgerichte von TTIP wurden Inhalt der Debatte zu These 6. Gibt der Staat in ihnen einen Teil seiner Souveränität, bzw. Gewalt über sein Staatsgebiet auf? Oder entspricht die Einrichtung der Schiedsgerichte nicht eher einer berechneten Ausübung seiner Staatsgewalt? Einerseits soll so ein Schiedsgericht gerade über und potentiell gegen staatliche Politik urteilen. Andererseits ist es doch aber ein willentlicher Gebrauch seiner Gewalt, wenn ein Staat Schiedsgerichte einrichtet und dessen Urteilen in seinem Staatsgebiet Recht verschafft. Obendrein werden die möglichen, negativen Konsequenzen als Preis eines Handelsabkommens bewusst abgewogen, das er aus eigenem Interesse heraus einrichten will.
  2. Diese Diskussion ging nicht ohne die Frage ab, wer eigentlich „der Staat“ ist? Ist ein Staat identisch mit seiner Bevölkerung? Oder bilden Regierung, Opposition und Bürokratie ein Gewaltmonopol gegenüber der restlichen Bevölkerung eines Staatsgebiets? Daran entscheidet sich immerhin, ob systematische Nachteile eines Handelsabkommens für einige Staatsbürger*innen einen staatlichen Souveränitätsverlust dastellen oder ob der Staat seine Souveränität zum Schaden dieser Bürger*innen ausübt.
  3. Weiterhin kamen wir auch auf die „schwarze Null“ im Haushalt der BRD zu sprechen. Wenn doch positive Staatsverschuldung ein Mittel des Staates sein kann, seinen Kapitalstandort konkurrenzstärker zu machen, warum wird der Verzicht auf weiteres Schuldenwachstum dann beworben? Womöglich, um die Stabilität deutscher Konkurrenzerfolge und die Solidität des Euro gerade in der Schuldenkrise zu beweisen? Im Verlauf dieser Diskussion kam auch die Idee auf, dass eine gemeinsame Währung mehrerer Staaten ein ganz systematischer Konfliktstoff in Sachen Wirtschaftspolitik ist: wie und für wen soll die Solidität der Währung verwendet werden?
  4. Zum Thema Euro- und Staatsschuldenkrise wurde schließlich diskutiert, ob linke Aktivist*innen Vorschläge zum Umgang mit der Krise (z.Bsp.: Sollte der Grexit nicht besser herbeigeführt werden?) unterbreiten sollten. Oder ob es besser wäre, darauf zu pochen, dass die ganze Krise eine Krise kapitalistischer Profitwirtschaft ist. Immerhin wurde die Krise nicht ausgerufen, weil viele Menschen arm sind. Wirtschaftskrise heißt: gewinnträchtiges, kapitalistisches Geschäft funktioniert nicht mehr. Solange das funktionierte, war die daraus resultierende Armut keine „Krise“. Nach 2008 – in der Krise der Geldvermehrung – wurde glatt noch mehr Armut erzeugt. In Südeuropa hungern und frieren Menschen nicht, weil es technisch unmöglich geworden wäre, Nahrung und Häuser zu produzieren. Sie hungern, weil es sich nicht mehr rentiert, sie zu versorgen. Dann wäre aber die Krise als Ausdruck des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu kritisieren und nicht ihre Überwindung innerhalb des Systems von „Privateigentum und rentabler Arbeit“ zu diskutieren.

 

Treffen vom 15. Oktober

Wie geplant waren am 15. Oktober vor allem jene Interessierten mit von der Partie, die am 02. Oktober nicht dabei sein konnten. Deshalb stand erneut der erste Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP zur Diskussion.

Beim nächsten Treffen am 29. Oktober beginnen wir mit dem zweiten Abschnitt des Thesenpapiers. (Wer weder am 02. noch am 15. dabei sein konnte, ist trotzdem herzlich eingeladen!)

Hier findet Ihr einige der vielen interessanten Ergebnisse der Diskussion (sofern sie nicht schon in der Zusammenfassung des vorherigen Treffens genannt sind) :

  1. Ist die Vermehrung von Geld der Zweck des Wirtschaftens (Kapitalismus), dann kann einerseits so manche nützliche Technologie ungenutzt bleiben, sofern ihre Anwendung nicht profitabel scheint oder sofern ihre Anwendung bereits bestehenden Geschäftsmodellen die Gewinne ruinieren würde.
  2. Andererseits werden vorhandene Produktivkräfte ignorant bis verschwenderisch behandelt, wenn sie nicht dem Standard der Konkurrenz ums Geld entsprechen: Nach dem Ende der Sowjetunion blieben Mangel und tatsächlich vorhandene Produktionsmittel unvermittelt nebeneinander bestehen. Verschrottung droht noch jeder Maschine und jedem Werksgebäude, egal wie wenig verbraucht sie/es ist.
  3. Ist eine Arbeit nach kapitalistischen Maßstäben rentabel (vermehrt sie also Unternehmenseigentum), dann kann es von ihr gar nicht genug geben. Dann verschleißen sich Leute für die Produktion von Waffen oder anderen Gegenständen, für die sie sich freiwillig nicht abmühen würden. Dann wird mitunter auch auf arbeitszeit-sparende Geräte oder Arbeitsteilung verzichtet, wenn deren Anwendung die Gewinne schmälern würde.
  4. Dann hatten wir eine interessante, weiterführende Diskussion darüber, dass Genossenschaften bzw. Arbeiterkontrolle im Betrieb zwar ökonomisch nur ein kleineres Übel ist, strategisch aber vielleicht trotzdem tauglich: Im Bewusstsein der beteiligten Menschen könnte das ein Schritt in die Richtung Anti-Kapitalismus und Emanzipation sein. Häufig fiel der Name „Zanon“. Das ist eine Fabrik in Argentinien, die von ihren Arbeiter*innen bestreikt, besetzt und enteignet wurde. Jetzt ist die Belegschaft so eine Art „rotes Zentrum“ in Argentinien. Wer sich darüber informieren will, sei auf diese Internetseite oder auch die dortige Broschüre verwiesen (kostenlos).
  5. Und schließlich: Die Aussage des Thesenpapiers „Geldbesitz ist maßlos, weil … “ (These 2b) ist nicht ganz stimmig formuliert. Der Geldbesitz ist nicht maßlos, da eine weitgehende Zentralisation der Geldware in wenigen Händen dazu führen kann, dass die Geldware die Eigenschaft verliert, Geld zu sein. Dazu müsste die Zentralisation schon unwahrscheinlich hoch ausfallen (im krassesten Falle: eine Person besitzt alle Goldmünzen und sieben Milliarden Menschen haben keine einzige), aber einen Erkenntnisgewinn bietet dieses Gedankenspiel schon: Welche Ware die Geldware ist, legen zwar zum einen Staaten für Ihren Währungsraum hoheitlich fest. Ob dieses Diktat aber auch aufgeht, hängt zum anderen davon ab, ob diese Ware auch als Geld verwendet wird, heißt: Ob diese Ware im wirtschaftlichen Alltag als allgemein gültige Verkörperung von Tauschwert ( = abzählbare, privateigentümliche Aneignungsmacht) behandelt wird…

…Daher sei die Korrektur angebracht, dass nicht der Geldbesitz  maßlos ist, sondern dass Privateigentümer als solche tendentiell nach immer größerem Geldbesitz streben. Für die einfache Privatperson gilt das in dem Sinne, dass erstens Geld selbst kein Bedürfnis tatsächlich erfüllt („Geld kann man nicht essen.“), jedoch potentiell jedeses Bedürfnis erfüllen könnte („Mit Geld kann man alles kaufen.“) und dass zweitens jeder Geldbesitz von der Natur der Sache her unsicher ist (Inflation, persönliche Notlagen in der Zukunft). Dient der Gelderwerb der Vermehrung von schon vorhandenem Geldbesitz (Kapital), dann stehen kapitalistische Unternehmen obendrein in einer Konkurrenz ums Geld, in der das beste Konkurrenzmittel nichts anderes ist, als das Geld, das bereits verdient wurde (Kapitalgröße). Denn davon ist seine Wettbewerbsfähigkeit abhängig: Wie Kreditwürdig ist ein Unternehmen? Welches Unternehmen kann sich die besten Maschinenparks, das modernste Know-How, die seltensten Ingenieure kaufen?

Treffen vom 02. Oktober

Am 02. Oktober diskutierten wir den ersten Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP.

Die Thesen 1 bis 4 fanden allgemeine Zustimmung und die drei Fragen des Zwischenfazits wurden kurz aber lebendig diskutiert.

Hier nur einige der vielen interessanten Ergebnisse der Diskussion:

  1. Betont wurde, dass die diskutierten Aussagen über Privateigentum und Geld für die heutige Marktwirtschaft (bzw. Kapitalismus/Warenproduktion) gelten. In manch füherer Zeit waren Handel und Geld weniger entwickelt und somit nicht der dominante Kern von Wirtschaft und Gesellschaft: Da gab es herrschaftliche oder gemeinschaftliche Verteilung von Naturalien, Subsistenzwirtschaft (Produktion für den Eigenverbrauch), Existenzsicherungen durch familiäre, religiöse oder traditionelle Versorgung bedürftiger Menschen oder auch einen Handel zu rechtlich strikt festgelegten Konditionen. Wenn Privateigentum und Geld damals existierten, dann schwach entwickelt, heißt: ohne viele ihrer heutigen Eigenschaften und ohne eine dominante Stellung in der Gesellschaft.
  2. Die heutige Armut ist kein technisch notwendiger Mangel. Sie ist der Ausschluss vom tatsächlich existierenden materiellen Reichtum oder wenigstens von den Mitteln zur Produktion dieses Reichtums.
  3. Die allgemeinste Definition für Kapital ist: Geld, das so eingesetzt wird, dass es sich vermehrt.
  4. In einer Planwirtschaft, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen soll, hat Geld nichts verloren: Es ist eben kein technisch-neutrales Mittel zum Wirtschaften (wie eine Fabrik, ein Pflug oder geistiges Know-How). Es ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das bereits seine eigene Zwecksetzung mitbringt: Geldvermehrung samt Exklusiveigentum, Konkurrenz und Armut. Geld misst nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern den Reichtum an privateigentümlicher Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  5. Lohnarbeit ist immer Ausbeutung, weil ein Arbeitsprozess, in dem Lohnabhängige: 1. eine Arbeit ausführen, deren Zweck sie nicht bestimmen, 2. dies unter Arbeitsbedingungen, die sie ebenfalls nicht bestimmen, 3. für eine Lohnzahlung, die nicht auf ihre Bedürfnisse berechnet ist und 4. nie aus der Lohnabhängigkeit herauskommen, während sie das Unternehmenseigentum (von dem sie ausgebeutet werden) beständig vermehren.
  6. Kapitalistischer Reichtum ist nicht falsch verteilt, er ist falsch. Kapitalistischer Reichtum besteht nicht in lauter nützlichen Sachen, sondern in Geld. Geld beziffert nicht den materiellen Reichtum an nützlichen Dingen, sondern privateigentümliche Zugriffs- und Verfügungsmacht.
  7. Beim Wirtschaftswachstum geht es nicht darum, dass mehr nützliches Zeug produziert werden soll, sondern dass Geldvermehrung stattfindet. Ginge es um die Produktion von nützlichen Dingen, dann würde niemand „Wachstum!“ fordern, sondern Produktion von eben so viel, wie gebraucht wird und dann ist Feierabend. Aber die Produktion von nützlichen Dingen ist bloß ein Nebeneffekt des kapitalistischen Wachstums und wird im Bruttoinlandsprodukt nicht ausgedrückt.