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Treffen vom 09. November

Am 09. November diskutierten wir, quasi als spontaner Einschub, einmal nicht an unserem derzeitigen Thesenpapier weiter. Statt dessen ging es um das Verhältnis von Wirtschaft und Staat sowie um ein paar Staatstheorien.

Wir schnitten viele interessante Ansätze und Teilgebiete dieses Themas an und überlegen, dazu in Zukunft ein paar weiterführende Sitzungen einzurichten.

Beim nächsten Termin am 23.November wird es aber wieder um die Grundlagen von Wirtschaft und Außenhandel sowie um TTIP gehen. Auch wenn wir kurz vor dem Abschluss dieses Themas stehen, sind neue Gesichter stets herzlich willkommen!

Treffen vom 15. Oktober

Wie geplant waren am 15. Oktober vor allem jene Interessierten mit von der Partie, die am 02. Oktober nicht dabei sein konnten. Deshalb stand erneut der erste Abschnitt unseres Thesenpapiers zu Handel, internationalem und TTIP zur Diskussion.

Beim nächsten Treffen am 29. Oktober beginnen wir mit dem zweiten Abschnitt des Thesenpapiers. (Wer weder am 02. noch am 15. dabei sein konnte, ist trotzdem herzlich eingeladen!)

Hier findet Ihr einige der vielen interessanten Ergebnisse der Diskussion (sofern sie nicht schon in der Zusammenfassung des vorherigen Treffens genannt sind) :

  1. Ist die Vermehrung von Geld der Zweck des Wirtschaftens (Kapitalismus), dann kann einerseits so manche nützliche Technologie ungenutzt bleiben, sofern ihre Anwendung nicht profitabel scheint oder sofern ihre Anwendung bereits bestehenden Geschäftsmodellen die Gewinne ruinieren würde.
  2. Andererseits werden vorhandene Produktivkräfte ignorant bis verschwenderisch behandelt, wenn sie nicht dem Standard der Konkurrenz ums Geld entsprechen: Nach dem Ende der Sowjetunion blieben Mangel und tatsächlich vorhandene Produktionsmittel unvermittelt nebeneinander bestehen. Verschrottung droht noch jeder Maschine und jedem Werksgebäude, egal wie wenig verbraucht sie/es ist.
  3. Ist eine Arbeit nach kapitalistischen Maßstäben rentabel (vermehrt sie also Unternehmenseigentum), dann kann es von ihr gar nicht genug geben. Dann verschleißen sich Leute für die Produktion von Waffen oder anderen Gegenständen, für die sie sich freiwillig nicht abmühen würden. Dann wird mitunter auch auf arbeitszeit-sparende Geräte oder Arbeitsteilung verzichtet, wenn deren Anwendung die Gewinne schmälern würde.
  4. Dann hatten wir eine interessante, weiterführende Diskussion darüber, dass Genossenschaften bzw. Arbeiterkontrolle im Betrieb zwar ökonomisch nur ein kleineres Übel ist, strategisch aber vielleicht trotzdem tauglich: Im Bewusstsein der beteiligten Menschen könnte das ein Schritt in die Richtung Anti-Kapitalismus und Emanzipation sein. Häufig fiel der Name „Zanon“. Das ist eine Fabrik in Argentinien, die von ihren Arbeiter*innen bestreikt, besetzt und enteignet wurde. Jetzt ist die Belegschaft so eine Art „rotes Zentrum“ in Argentinien. Wer sich darüber informieren will, sei auf diese Internetseite oder auch die dortige Broschüre verwiesen (kostenlos).
  5. Und schließlich: Die Aussage des Thesenpapiers „Geldbesitz ist maßlos, weil … “ (These 2b) ist nicht ganz stimmig formuliert. Der Geldbesitz ist nicht maßlos, da eine weitgehende Zentralisation der Geldware in wenigen Händen dazu führen kann, dass die Geldware die Eigenschaft verliert, Geld zu sein. Dazu müsste die Zentralisation schon unwahrscheinlich hoch ausfallen (im krassesten Falle: eine Person besitzt alle Goldmünzen und sieben Milliarden Menschen haben keine einzige), aber einen Erkenntnisgewinn bietet dieses Gedankenspiel schon: Welche Ware die Geldware ist, legen zwar zum einen Staaten für Ihren Währungsraum hoheitlich fest. Ob dieses Diktat aber auch aufgeht, hängt zum anderen davon ab, ob diese Ware auch als Geld verwendet wird, heißt: Ob diese Ware im wirtschaftlichen Alltag als allgemein gültige Verkörperung von Tauschwert ( = abzählbare, privateigentümliche Aneignungsmacht) behandelt wird…

…Daher sei die Korrektur angebracht, dass nicht der Geldbesitz  maßlos ist, sondern dass Privateigentümer als solche tendentiell nach immer größerem Geldbesitz streben. Für die einfache Privatperson gilt das in dem Sinne, dass erstens Geld selbst kein Bedürfnis tatsächlich erfüllt („Geld kann man nicht essen.“), jedoch potentiell jedeses Bedürfnis erfüllen könnte („Mit Geld kann man alles kaufen.“) und dass zweitens jeder Geldbesitz von der Natur der Sache her unsicher ist (Inflation, persönliche Notlagen in der Zukunft). Dient der Gelderwerb der Vermehrung von schon vorhandenem Geldbesitz (Kapital), dann stehen kapitalistische Unternehmen obendrein in einer Konkurrenz ums Geld, in der das beste Konkurrenzmittel nichts anderes ist, als das Geld, das bereits verdient wurde (Kapitalgröße). Denn davon ist seine Wettbewerbsfähigkeit abhängig: Wie Kreditwürdig ist ein Unternehmen? Welches Unternehmen kann sich die besten Maschinenparks, das modernste Know-How, die seltensten Ingenieure kaufen?

Kritik der politischen Ökonomie…

…so lautet der Untertitel des Hauptwerkes „Das Kapital“ von Karl Marx. Und obwohl er dank seiner umfassenden Analysen der modernen Produktionsweise innerhalb der Linken tradiert wurde, obwohl genau jene Produktionsverhältnisse immer wieder und ganz aktuell Armut und tiefe Krisen verursachen, führen seine Werke v.a. in Bildungseinrichtungen ein trostloses Schattendasein.

Wir finden, dass es Zeit ist sich mit den Grundlagen unserer Gesellschaft erneut auseinanderzusetzen, denn an dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens analysierte und kritisierte, hat sich seit seinen Tagen dies und das, aber nichts Wesentliches geändert. Immer noch ist die Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und das ist keineswegs ein geschickter Umweg zur besseren Befriedigung der Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen Kostenfaktor, also die negative Größe des Betriebszwecks; noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der größten Quelle des materiellen Reichtums, ausschließlich statt, um Löhne zu sparen und Arbeitskräfte zu entlassen – also um den Arbeiter ärmer zu machen.

Wegen dieser Aktualität, und nur wegen ihr, verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit heute zu erklären. Gemeinsam möchten wir uns seinen Erkenntnissen mit allen Interessierten in einem alle zwei Wochen stattfindendem Lesekreis nähern und hoffen dabei auf konstruktive Diskussionen. Wir starten am 3. September um 17 Uhr in der Geschäftsstelle der LINKEN in der Schinkelstr. 13,  Neuruppin und laden herzlich dazu ein.